20.10.2014

Auch Pflegende müssen besser umsorgt werden

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands (KAB) begrüßt die ersten Schritte zu einer Reform der Pflegeversicherung, sieht aber bei der Besserstellung von Pflege- und Betreuungskräften und pflegenden Angehörigen großen Nachholbedarf.

Angesichts des Pflegenotstandes in Deutschland – die KAB geht für die nächsten Jahre von bis zu 350.000 fehlenden Pflegefachkräften aus – sind die von der Politik zusätzlich avisierten 25.000 Betreuungskräfte in den stationären Einrichtungen nur ein Tropfen auf den heißen Stein.  
Völlig unklar bleibt dabei die Qualifikation und Entlohnung der eingestellten Betreuungspersonen.

„Einen Wettbewerb um die billigste Arbeitskraft darf es nicht geben. Ermunterungen der Politik, nach Tarif zu bezahlen, reichen nicht aus,  hier muß tarifrechtlich gehandelt werden!“, erklärt die Bundesvorsitzende der KAB Regina-Dolores Stieler Hinz. Die KAB befürchtet, daß es gerade im Pflegebereich zu einem neuen Boom an Mini-Jobs kommen wird. „Wir brauchen aber weniger Billig-Jobs, sondern mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse, wenn wir uns nicht in der Pflege die neuen armen Alten heranziehen wollen, die nicht fürs Alter vorsorgen konnten“, betont die KAB Fachreferentin für Pflege und Rente Lucia Schneiders-Adams. 

Mehr Aufstiegschancen für Pflegefachkräfte schaffen

Es ist kein Geheimnis, daß in der Pflegebranche die Verweildauer der Pflegefachkräfte in ihrem Wunschberuf geradezu beschämend niedrig ist. Daran wird auch eine Vereinheitlichung der Ausbildung nichts ändern, resümiert der Arbeitnehmerverband. „Was wir endlich brauchen, ist eine für diese höchst anspruchsvolle Tätigkeit gerechte Bezahlung, sowie bessere Qualifizierungs- und Aufstiegschancen, damit Fachkräfte nicht schon mit 40 Jahren resigniert und ausgebrannt aussteigen und selbst zum Pflegefall werden“, fordert Bundesvorsitzende  Stieler-Hinz.

Gleichzeitig muß auch die häusliche Pflege von Angehörigen - nach wie vor das billigste Pflegeheim Deutschlands -  als sinnvolle und vollwertige Arbeit definiert werden und sich ideell und monetär entsprechend niederschlagen;  getreu des KAB-Modells der Tätigkeitsgesellschaft, nach dem  jede für die Gesellschaft nützliche Beschäftigung angemessen finanziell gewürdigt wird.       

Die Bürgerversicherung muß und wird kommen

Eine klare Absage erteilt die KAB der Konstruktion eines Vorsorgefonds. „Was wir brauchen, ist eine klare und verlässliche sozialversicherungsrechtliche  Stütze für alle in Form einer Bürgerversicherung und keinen Selbstbedienungsladen für Haushaltslöcher“, erklärt KAB-Pflegeexpertin Schneiders-Adams. „Dass die Arbeitgeber gleichzeitig einmal mehr eine Senkung der Rentenbeiträge fordern, ist fatal und beschämend. Hier soll der  Sozialstaat offenbar noch weiter ausgeplündert werden. „Die kommende Rentengeneration wird dann nämlich wegen zu geringer Altersbezüge gar kein Geld für Pflege übrig haben und ist damit auf staatliche Transferleistungen angewiesen.“  

Foto: Flashmob des Bündnisses "Pflege am Boden"

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